Wir Europäer, die wir mit so viel Genugtuung auf den amerikanischen Präsidentschafts-Vor-Wahlkampf geschaut haben und den Siegeszug des Demokraten Barack Obama hoffnungsvoll als Zeichen für einen anstehenden Wandel der amerikanischen Politik angesehen haben, sehen uns in den letzten Tagen immer stärkeren Irritationen ausgesetzt.
Erst stimmte Obama für Bushs umstrittenes Abhörgesetz, das er lange deutlich abgelehnt hatte. Dann befürwortete er – völlig unerwartet – die Entscheidung des Obersten Gerichts, die private Bewaffnung jeden Amerikaners weiterhin zu gestatten. Fassungslos macht seine Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder, die von eben diesem Gericht kürzlich abgelehnt wurde. Und die Distanzierung von seiner bisherigen Unterstützung von Abtreibungen ließ ebenfalls aufhorchen.
Nun erntete Obama Proteststürme für seinen gedanklichen Rückzug vom schnellen Ende des Irak-Krieges, dessen Propagierung entscheidend zum Wahlkampf-Erfolg über Hillary Clinton beigetragen hatte. Gab er bislang eine klare 16 Monats-Frist nach Amtsantritt für die Rückholung sämtlicher US-Truppen aus dem Irak vor, so relativierte er in Interview-Äußerungen plötzlich diese Zielsetzung, ruderte aber aufgrund der heftigen Kritik sogleich wieder retour.
Wofür steht Obama nun tatsächlich ? Ist er eher der linke Demokrat, als der er sich in den vergangenen Monaten der Welt präsentierte, um sich von McCain und natürlich auch von Clinton politisch deutlich abzugrenzen ? Oder steht er eher für die konservative Mitte, die er mit seinen neuerlichen Aussagen leichter gewinnen kann ? Was ist Überzeugung, was ist der Taktik geschuldet ? Wer ist der echte Obama ? Seine Wähler und wir hoffnungsvollen Beobachter aus Europa müssen uns wohl auf weitere Überraschungen gefasst machen.








[...] Barack Obama, manch eines Schwulen Liebling, versucht sich zur Zeit als Rattenfänger. Erst spricht er sich gegen die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mit [...]