Erschütterung allenthalben unter den Jazzfans: völlig unvorbereitet traf uns die Nachricht vom Tode Esbjörn Svenssons. Der 44jährige schwedische Jazzpianist starb unter noch ungeklärten Umständen in der Nähe Stockholms bei einem Tauchgang. In der Nähe eines Landungsstegs wurde er schwer verletzt am Meeresgrund aufgefunden.
Kaum ein Pianist hat die musikalische Entwicklung des Jazz in den letzten Jahrzehnten so stark geprägt wie Svensson. Kritiker stellen ihn in eine Reihe mit Oscar Peterson oder Keith Jarrett, auch wenn Svensson sich immer wieder dem Vorwurf aussetzte, mit seinem Trio e.s.t. die Nähe zum Pop zu suchen. Diese Vorhaltung allerdings geht ins Leere, denn Muster der zeitgenössischen klassischen Musik finden sich in den Aufnahmen des Esbjörn Svensson Trio ebenso.
von links: Berglund, Svensson, Öström
e.s.t. war ein mustergültiges Trio, denn hier herrschte echte musikalische Gleichberechtigung. Svensson fiel es leicht, mit dem Piano auch einmal in den Hintergrund zu treten. Das liegt zum einen wohl daran, dass er als Sohn einer klassischen Pianistin ursprünglich Schlagzeuger werden wollte und entsprechenden Respekt gegenüber der Rolle des Instrumentes mitbrachte. Zweite Ursache ist sicherlich gewesen, dass er seinen Jugendfreund Magnus Öström neben sich als Rhythmusgeber wusste, mit dem er sich blind verstand. Dritter im Bunde war der wunderbare Bassist Dan Berglund.
Svenssons Produzent Siggi Loch (ACT music) schreibt im Nachruf: Berühmt wurde e.s.t. für seine innovative Verbindung von Jazz mit Elementen des modernen Rock wie der klassischen Musik. Charakteristisch waren die prägnanten, meist nordisch klingenden Melodielinien, die mit exzessiver Dynamik einen unwiderstehlichen Sog entwickelten. Auch deshalb strömte weltweit nicht nur das zumeist ältere, sondern auch ein junges Pop-Publikum in die Konzerte von e.s.t. Ihre Alben stürmten regelmäßig die Jazz- wie die Pop-Charts und wurden vielfach preisgekrönt. Der unverwechselbare Sound inspirierte zahlreiche Bands in aller Welt.
Kürzlich erst wurden die Aufnahmen zum zwölften Album LEUCOCYTE beendet. Niemand konnte ahnen, dass dies Esbjörn Svenssons Vermächtnis darstellen könnte. e.s.t. wird uns sehr fehlen.
Für den einen oder anderen vielleicht zum Kennenlernen, für seine Fans zum Abschied ein Live-Video des Songs “Behind the Yashmak”.






